Bad Meinberg – oder: mein erster Workshop

wieso kann ich auch mein großes Mundwerk nicht halten?

Als ich im Spinnernetz-Forum gefragt wurde, ob ich nicht Lust hätte, in Bad Meinberg auf dem Festival “Horn-Bad Meinberg spinnt” einen Workshop anzubieten, dachte ich, ich sei mit der Antwort, dass das einzige, was ich gut genug dafür könne und was NICHT bereits zigmal woanders angeboten worden sei meine YUBINUKI seien fein raus.

Klarer Fall von DENKSTE. SCHLUCK!

Also hab ich meinen Blog und meine anderen Unterlagen durchstöbert und wochenlang an einem Handout gearbeitet. Handout? dafür ist im Workshop eigentlich gar kein Platz, die Leute wollen yubinuki sticken, nicht lesen. Planlos und chaotisch wie immer hab ich einfach vor mich hingewühlt.

– Nadeln kaufen,

– Schrägstreifen zuschneiden,

– Garne auswählen /anschaffen,

– Millimeterpapier laminieren – wo ist denn der Block hin??

– Millimeterpapier KAUFEN. und anschließend laminieren

– daraus Streifen a 11 mm schneiden.

 

so, was für molds mach ich denn…. ich hab mich dann dafür entschieden, molds mit einem Umfang von 5,0 cm bis 6,8 cm zu machen, in millimeter-schritten. und für jede Mold einen Testrohling. So kann man dann als “Schüler” zunächst mal ausprobieren, welcher Umfang zum eigenen Finger passt.

was, wenn einer es zwar lernen möchte, aber nicht genug zeit mitbringt… wie lange dauert es überhaupt beim ersten Mal?

Ich hab dann mein frisch bearbeitetes Handout um Material erweitert: ein angefangener Rohling mit weiterem Garn, um ihn fertigzustellen, und alles, was man für drei weitere Rohlinge benötigt. nur das Stickgarn muss man sich dann für diese drei noch selbst besorgen.

 

Aus den Tiefen meines Schrankes holte ich noch mein Hinamatsuri– Kaiserpaar und andere Kleinigkeiten.

 

frisch aufgebaut sah mein Stand Freitagnachmittag dann so aus:

 

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wenn man davor steht rechts die pflanzengefärbte Wolle, dazwischen meine indischen Takhli-sets,

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dann die Deko,

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und zum Schluss die Ecke für den Workshop

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Samstagmorgen ging es los und ich fragte mich, ob überhaupt jemand Interesse haben würde.

Sonntagabend hatte ich Fusseln am Mund vor lauter erklären. etliche haben den Workshop besucht, einige davon haben das Einsteiger-Set mitgenommen. manche auch ausschließlich das Set. es hat irren spaß gemacht, andere damit anzufixen.

und ich denke, ich werd es wieder tun!

Färben mit Pflanzen in der eigenen Küche

ist gar nicht soo schwer.
Dennoch – wie bei allem Neuen (vor allem, wenn man dabei Gefahr läuft, die neue Küche zu versauen!) hatte ich vor dem “ersten Mal” ganz schön Bammel.
Nachdem ich diese Hürde erst mal genommen hatte, verfiel ich allerdings einem Farbrausch! Wie gut, dass ich Urlaub hatte…


Das alles ist in den drei Wochen aus dem Färbetopf gestiegen.


Rosenknospen

 

Blutpflaume

Blauholz

Cochenille-Laus

Rotholz

Krapp 60%  & Kamille 20%  & Rotholz 10% & Sandelholz 10%

Anatto (=Orleanssaat)

Kamille 90% & Ringelblumenblüten 100% & Krapp 10%

 

Pflanzenfarben sind unglaublich ergiebig! Die Prozentangaben beziehen sich dabei auf die Menge der Wolle, die in einem Farbzug gefärbt wird. Am Beispiel für das Gelb heisst das: um einen Kammzug zu 100g zu färben benötige ich in diesem Fall 90g Kamillenblüten, 100g Ringelblumenblüten und 10% Krappwurzel. 

Allerdings ist damit der Sud (richtiger: die Färbeflotte)  noch lange nicht erschöpft. Wenn man den ersten “Gang” aus dem Topf holt, hat man noch genug Farbe in der Brühe, um noch weitere Wollstränge oder Kammzüge zu färben, wobei die Farbe dann jedesmal heller wird. Das sollte man auch nutzen, wäre ja schade drum!

Will man dagegen für einen Pulli sagen wir mal 1100g in ungefähr gleicher Farbe einfärben, muss man den Ansatz entsprechend vergrößern- und sich vor allem nach einem enstprechend großen Topf umsehen! Denn um genügend Wolle farblich gleich einzufärben, muss diese komplett gemeinsam gebeizt und gefärbt werden. Demenstprechend viel kann man dann auch anschließend in heller färben.

Ein tolles Buch zu diesem Thema ist dieses hiervon Dorothea Fischer: http://www.amazon.de/Naturfarben-auf-Wolle-Seide-giftige/dp/3833446919/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1340090362&sr=1-1 

 und dieses hier steht noch auf der Einkaufsliste http://www.amazon.de/F%C3%A4rberpflanzen-Anleitung-F%C3%A4rben-Verwendung-Medizin/dp/3510652584/ref=sr_1_sc_1?s=books&ie=UTF8&qid=1340090867&sr=1-1-spell

 

Dringend erforderlich hierbei ist das Tragen von Gummihandschuhe. Wer meint “ist doch nur pflanzlich”, der laufe mal ne Woche mit Kamillegelben Nagelbetten rum (und ich hatte nur die Wolle in klarem Wasser ausgewaschen). Eine tolle Hilfe ist auch eine Salatschleuder, da man hiermit die Wolle nicht so malträtiert wie per ausdrücken.

ich hab noch soviele Mawatas, ob ich die einfach mal einfärbe und dann verstricke? vielleicht als Sommerschal für mein Mütterlein…. na, mal schauen.

 

 

 

 

 

In der Versenkung verschollen…

Es tut mir leid, dass ich so lange nichts geschrieben habe!
Es fing alles so harmlos an: ich hatte von meiner Schwipp-Schwiedermutter eine Strickjacke mit Zopfmustern geschenkt bekommen, mit der ich in die Autotür geriet. Ergebnis: ein großes Loch und schwarze Schmierer. Jacke ruiniert.
“Dann kauf dir halt ne neue”, war die simple Empfehlung meines Freundes. Leichter gesagt als getan, findet Ihr mal eine Strickjacke in …. okay, GROSS GENUG halt, die euch nicht nur gefällt, sondern auch noch bezahlbar ist. die einzige, dich ich fand, war a) zu klein, b) zu schlicht und c) mit 160 Euronen wie ich fand unangemessen teuer. Immerhin ist das keine Handarbeit, sondern Maschinenstrick!
Ich klagte meiner Mutter mein “Leid” und die meinte leichthin “Du kannst doch stricken, warum strickst du dir keine Jacke?” – “ähhh….” warum eigentlich nicht? dann könnte ich sie genau so machen, wie ich sie mir vorstellte… Mein armer Freund seufzte nur (der ahnte bereits, wo das enden würde…)
Wer mich kennt, der weiß, dass ich da etwas… sagen wir mal zwanghaft bin. Wochenlang habe ich gegoogelt und gewühlt, bis ich die Muster der Designerin ALice Starmore fand.
Noch älter als meine Leidenschaft für Japan ist die für die Kelten.
Zwar reizt es mich heute nicht mehr so brennend wie früher, einer Reenactment-Gruppe beizutreten (wann zur Hölle sollte ich DAS noch machen?). Aber die Muster, das keltische Design ziehen mich noch immer magisch in ihren Bann. Und Alice Starmore hat da so einiges zu bieten. Zu meinem Glück gab es das wichtigste Buch als Neuauflage, ich hatte es bei Ebay bereits für über 350 € gesehen – indiskutabel.  Sollte ich extra erwähnen, dass ich – rein zur Vorsicht!- noch andere von ihr gekauft hab? nicht, das mir das absolute Knaller-Muster entginge!

Ich entschied mich dafür, die Muster der Pullover CROMARTY und ST. BRIGID zu mischen. Als Wolle hatte ich Rellanas “Flotte Socke” in wollweiß gewählt (Aussage für den Mann an meiner Seite: “siehst Du,  das Material kostet nur die Hälfte von dem, was diese popelige Gelumpe-Jacke im xy-Shop gekostet hätte, stell Dir mal vor, was ne SCHÖNE Jacke fertig gekostet hätte”).

Tage voller Rechnerei folgten. Wie breit musste der Rücken werden in cm, wieviele Maschen werden dafür bei Zopfmustern benötigt (wers nicht kennt: zopfmuster “fressen” einen Teil der Breite. Wenn man also normalerweise für 10cm 20 Maschen strickt, benötigt man bei Zopfmustern für die gleiche Breite bei gleichem Garn ca 30 Maschen). Wenn ich  soundsoviele Maschen zur Verfügung habe: welche und wieviele Muster kann ich darauf unterbringen und wie ordne ich sie an..?

Ich war voll und ganz in meinem Element, noch bevor ich auch nur die erste Masche gestrickt hatte.

Und DAS hat mich dann ein komplettes Jahr in Anspruch genommen. Nein, ich bin kein Lahmar… , aber Zopf- und Aranmuster  stricken bedeutet permanentes Kontrollieren und Zählen. Und im Hochsommer bekam ich geschwollene Schwitzefinger beim Stricken, sodass ich in der heißesten Zeit lieber was anderes machte. Aber im Spätherbst wurde Sie dann fertig. Trotz aller Berechnung ist sie was groß geraten, aber SAUGEMÜTLICH! Ich kann mich komplett darin einwickeln und im Winter sogar noch nen dicken Pulli drunter anziehen.

Und wie das dann so ist: ich bin jetzt so gut drin, ich würde gern noch nen Pullover stricken. Muster hätte ich genug, diesmal farbige statt gezopfte. Doch auf der Suche nach schöner Wolle mit den passenden Farben musste ich feststellen, dass ich die aktuelle Mode wohl nicht mag – oder das, was die Industrie uns zum stricken selbiger bietet. Die Farben gefielen mir nicht, die Garne selbst gefielen mir nicht, und wenn ich was schönes gefunden hatte, war es handgefärbt und kostete dementsprechend. Meist war es dann aber auch nicht einfarbig, also selbst wenn ich im Lotto gewonnen hätte und bereit wäre, 15 Euro für ein einziges Knäuel Wolle auszugeben – hätte ich immer noch das Problem gehabt, die richtige Farbe auch einzeln zu bekommen. Bunt ist ja nicht grundsätzlich schlecht, nein, aber das Muster wollte ich ja selbst stricken und nicht dem Garn überlassen.

Etwas grummelig wollte ich mich also erst mal wieder einem Yubinuki widmen, und überlegte, dass ich mir endlich mal  Silkhankies  (auch Mawata genannt)  zulegen sollte, um diese auch stilecht zu polstern.
Was ich dabei hauptsächlich fand waren gefärbte – wofür das denn? ach, zum verspinnen? nett…

Spinnen… womit spinnen die denn… zeig doch mal, Tante Google…

Und so nahm das Verhängnis seinen Lauf. Da kann mann nicht Fingerchen stillhalten, nein, da muss man natürlich direkt mit den Mawata für den Yubinuki auch noch ne Spindel mitordern (und wenns nur für den Gag ist “spinnst du??” – ” jaWOLL!”. Und Wolle natürlich (ja Schatz, im Kilo IST das billiger, da jedenfalls ).  Und Irgendwo gibt es im Netz sicher ne Anleitung.

Handspinngilde, Spinnradclub,  Ravelry, ja lieber Himmel, das sind ja richtig viele!

Viele Plattformen, und noch mehr Spinnerinnen! Und so ein reiches Angebot an Shops, die Wolle führen, unterschiedliche Schafrassen, Alpaca- und sogar Ziegen- und Kamelwolle kann man bekommen, meist in der natürlich gewachsenen Farbe, manchmal gebleicht, oft aber auch bereits gefärbt.

Apropos gefärbt: das erste was ich auf meinem ersten Probespinntreff gelernt hab war weniger das Spinnen, als das Staunen! Die drei Damen hatten gerade ein “Tauschpaket” empfangen.  Der gesamte Küchentisch lag voller bunter (weil handgefärbter) Kammzüge (später dazu mehr) und Watteartiger Vliese (“Batts”) . Und obwohl ich -wie oben bereits gesagt- kein Fan von mehrfarbigem Garn bin musste ich feststellen, dass ich immer mehr in einen Farbrausch abdriftete (so stell ich mir die Wirkung von LSD vor!).

Es dauerte eine ganze Weile, bis alle drei ihre Beute gewählt und Ersatz nachgefüllt hatten, aber irgendwann  kehrte dann jede an ihr Spinnrad zurück. Vergesst all Eure Vorstellungen von Spinnrädern (es sei denn, ihr kennt bereits die modernen), KEINE der drei hatte eines dieser OMIS LIEBSTES Räder, wie man sie ständig auf Flohmärkten oder in den Katalogen von Versandhäusern dekoriert sieht. Jede hatte ein modernes Modell, dass viel mehr kann als die alten und viel comfortabler ist.

Und ich saß da mit meinem gekauften Anfänger-Handspindelchen und einer improvisierten, leichteren Spindel (aus Eßstäbchen natürlich ^^) und staunte die drei abwechselnd an.

 

 

– FORTSETZUNG FOLGT –