O-Bon

13. -16. August: Obon (O-Bon, Laternenfest, Totenfest)

Obon ist ein buddhistisches Fest zu Ehren der Ahnen und das zweitwichtigste Fest nach Neujahr. Hierbei versammelt sich die gesamte Familie im Stammhaus der Familie (dem Elternhaus des Familienoberhaupts). Die Buddhisten glauben, dass die Geister der Vorfahren für die Dauer des O-Bon-Festes zu ihren Familien zurückkehren. Damit die Geister der Verstorbenen den Weg nach Hause leichter finden, werden vielerorts Laternen vor dem Haus aufgehängt. In den Tempeln werden religiöse Zeremonien abgehalten. Die Familien beten vor dem Hausaltar, stellen dort frische Blumen auf, zünden Räucherstäbchen und bieten den Verstorbenen frische Wagashi an. Man besucht die Familiengräber und spricht ein Gebet, erneuert auch dort die Blumen.
In ganz Japan finden zu dieser Zeit O-Bon-Tänze (bon-odori) zu Ehren der Ahnen statt. Zum Ende des Obon-Festes setzt man an manchen Orten schwimmende Laternen auf Flüsse, Bäche und Seen, um den Geistern den Weg zurück zu zeigen. Dieses ursprünglich religiöse buddhistische Fest ist inzwischen auch zu einem Familien-Wiedervereinigungs-Feiertag geworden, währenddessen die Menschen aus den großen Städten in ihre Heimatstädte zurückkommen und die Gräber ihrer Vorfahren besuchen und säubern.
So ist die Obon-Woche eine der Haupt-Ferienzeiten in Japan, in dieser Zeit ist der Reiseverkehr stark erhöht und man bemerkt eine allgemeine Preissteigerung.

Doch die an Obon abgehaltenen Gedenkzeremonien haben zwei Bedeutungen. Die eine ist, den Buddha und die Dharma-Vorfahren und andere, die verstorben sind, zu ehren. Die andere ist, allen Menschen Dankbarkeit auszusprechen, in deren Schuld wir stehen, lebende Menschen, unsere Eltern, Verwandten und Freunde eingeschlossen.
Der vollständige Name von Obon lautet Urabon-e, was von „avalambana“ oder „Ullambana“ („kopfüber in der Hölle hängen und leiden“ was den hungrigen Geistern (Preta) geschieht, die jedoch einmal jährlich aus der Unterwelt zurückkehren dürfen. Durch ihre symbolische Speisung soll deren Leiden in der Hölle gelindert werden) abstammt, einem alten Sanskrit-Wort. Gemäß dem Sutra Bussetsu Urabon geht diese Tradition auf eine Zeremonie zurück, die der Shakyamuni Buddha für die verstorbene Mutter von Maudgalyayana durchgeführt hat, der ein direkter Schüler des Buddha war. Durch diese Zeremonie wurde das Leid, in dem diese Mutter im Jenseits lebte von ihr genommen.
Die Ursprünge gehen auf das hinduistische Divali-Fest (= Dipavali; Lichterfest), verschmolzen mit Avalambana, der Preta-Speisung (hungriger Geister) und den, am selben Tag abgehaltenen, taoistischen Chung-yuen-Riten zurück)

Heute glauben die Menschen, dass diese Zeremonie das Leben der Eltern verlängert und alles Leiden und alle Seelenqualen von ihnen nimmt. Obon ist auch einer der traditionellen Feiertage in Japan, an denen Menschen Geschenke austauschen (das andere traditionelle Ereignis ist das Neujahrsfest). Obon ist eine Zeremonie, die Geister der Ahnen respektvoll zu ehren; außerdem beten wir um ein langes Leben unserer Eltern. Als Vorbereitung auf die Begegnung mit den Geistern der Ahnen ist es Brauch, unser Haus gründlich zu reinigen und uns so zu verhalten, als ob wir Gäste erwarteten.
Traditionsgemäß mit einem Tanz-Festival verbunden, besteht das Obon in Japan bereits seit mehr als 500 Jahren. Es wird im östlichen Teil Japans (Kanto) vom 13. Juli (Willkommens-Obon) bis zum 16. Juli (Abschieds-Obon) und im westlichen Teil Japans im August gefeiert. In den letzten Jahren legten die meisten Teile Tokios den Obon in die Sommerferienzeit im August.

Die mit dem Obon verbundenen Tänze werden von der Geschichte eines Jüngers Buddhas, Maudgalyaayana (jap. Mokuren), abgeleitet, der in einer Vision seine verstorbene Mutter im „Königreich der hungrigen Geister“ sah, wo sie sich der Selbstsucht hingab. Entsetzt ging er zu Buddha und fragte, wie er seine Mutter aus diesem Geisterreich befreien könne. Buddha antwortete, er solle am 15. Juli ein großes Fest für die letzten sieben Generationen der Verstorbenen ausrichten. Der Jünger tat dies und erreichte so die Befreiung seiner Mutter. Zugleich erkannte er dabei ihre Selbstlosigkeit und die vielen Opfer, die sie für ihn gebracht hatte. Der Jünger tanzte vor Freude, glücklich wegen der Freigabe seiner Mutter und dankbar für ihre Freundlichkeit.
Von diesem Tanz der Freude abgeleitet ist „Bon Odori“ oder „Bon-Tanz“, mit dem beim O-bon an die Vorfahren und ihre Opfer erinnert wird.
Das Obon wird in ganz Japan gefeiert. Ursprünglich tanzte das Volk Nenbutsu um die Geister der Toten zu begrüßen.
Die Art der Feier ist von Region zu Region etwas unterschiedlich. Die Präfekturen Japans haben häufig ihre eigene Weise, den Bon Odori zu tanzen, und ihre eigene Musik dazu. So ist z. B. ein Bon Odori in der Präfektur Okayama ganz anders als einer in der Präfektur Kanagawa. Die gespielte Musik reicht von klassischer Musik bis zu traditioneller japanischer Musik wie Makkou Ondo.

Grußfeuer (Kadobi)

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Am Abend des 13. werden Feuer mit Hanfstängeln oder Pinienzweigen entzündet. Diese Lichter dienen als Wegweiser für die Rückkehr der Ahnen.

Verabschiedung der Geister (Shoryo Okuri)
Am 15. oder 16. werden die Geister für gewöhnlich zurückgeschickt. Wiederum werden Hanfstängel entzündet und mancherorts auf kleine Boote mit Opfergaben gesetzt, um Flüsse hinab oder aufs offene Meer zu treiben. Aufgrund der steigenden Umweltverschmutzung werden die Boote heutzutage in Tempeln und an anderen Orten gesammelt. Die Menschen singen „Obon-Geister, fahrt weg auf diesem Boot“, und schicken sie vorsichtig auf die Reise.
Obon-Regal (Bondana)

Man stellt den Ahnen ein besonderes Regal namens bondana oder Tama-dana auf, worauf die Familiengedenktafel zusammen mit verschiedenen Opfergaben platziert wird. In Häusern, in denen man diese Art von Regal nicht hat, werden die Geister am Buddha-Altar begrüßt. Hier singt der Tempelpriester das tana-gyo, ein Sutra für die Ahnen. Das Obon-Regal wird gewöhnlich am Morgen des 13. aufgestellt.
In einem Haus, wo ein Familienmitglied im vergangenen Jahr verstorben ist, stellt man das Regal zwischen dem 1. und 7. auf, dabei geht man mit größter Aufmerksamkeit vor. Auf diesen Regalen werden häufig Mochi geopfert. Sie werden unmittelbar nachdem die Familie die Geister der Verstorbenen am Grab begrüßt hat, auf das Altarregal gelegt.

Am 14. ist es Brauch, Nudeln  zu opfern und am 15. mit süßem Bohnengelee umhüllte Reisbällchen. Weiter gehört ungekochter Reis, zusammen mit fein gehackten Auberginen und anderem Gemüse in kleinen Häufchen auf Lotus- oder Paulownienblätter gelegt, zu den Opfergaben.
Man sagt, dass am 16. die Geister der Ahnen auf Kühen zurück reiten und dabei ihr Gepäck auf Pferde laden. Deshalb werden Auberginen und Gurken in Kuh- und Pferdeform geopfert. Diese ähneln den Strohpferden, die man als Schmuck während des Tanabata-Fests verwendet. In einigen Regionen gibt es den Brauch, grüne Zedernzweige oder grüne Bambushalme an den vier Ecken des Regals zu befestigen, ähnlich dem Brauch am Neujahrsfest, bei dem man Kiefernschmuck zur Verehrung der Götter verwendet.
Auf jeden Fall sollte man solche Dinge als Opfergaben darbringen, von denen man weiß, dass die Geister der Verstorbenen sie mögen, oder Opfergaben, die auf traditionelle Weise angebaut wurden. Besonders wenn man Dinge opfert, mit denen die Ahnen vertraut sind, werden sie zu ihren Angehörigen zurückkommen.

Die Einführung der „Lichtkomponente“ des O-Bon  fand in Japan erst 1230 auf Anordnung Go-Horikawa-tennōs statt. Das Abbrennen von Scheiterhaufen (oft in Form des Zeichens Dai, deshalb Daimonji no hi), am Abend des 16., soll auf Kōbō Daishi zurückgehen. Jedenfalls hat es seinen Ursprung in Shingon- oder Tendai-Riten. Die tantrische Schule hat auch eine Vielzahl von Pretaspeisungs-Opferriten (u.a. Segaki-ho, Ikitama-e) geschaffen.
Am letzten Abend werden beim Tourounagashi  Laternen schwimmen gelassen um die Seelen der Verstorbenen zu führen

(Bildquelle: Wikipedia)

Wie man einen Yubinuki aufbaut

Yubinuki – japanische Fingerhüte


Auf der Suche nach schönen Seiten und Anleitungen zum Thema Temari stieß ich auf diese wunderbaren kleinen Kunstwerke.
Da in Japan auf ganz andere Art und Weise genäht und gestickt wird als in der westlichen Welt, sind die dort verwendeten Fingerhüte ringförmig, anstatt die ganze Fingerkuppe zu umschließen. Japanerinnen schieben die Nadel nicht mit der Fingerbeere durch den Stoff, sondern mit der Seite des ersten Fingergelenkes.

Hausfrauen haben ihren Fingerschutz wohl schon immer aus Stoff- und Fadenresten selbst gemacht.
Für Seidenkimonos muss das verwendete Material aber selbst aus Seide sein, alles grobere würde das Gewebe beim Daranentlangreiben aufrauhen.

Bei Ebay habe ich ein herrliches Buch gefunden (und sofort gekauft). Auch ohne japanisch-Kenntnisse kann man sowohl den Bau der Ringbasis als auch die nachher verwendeten Muster nachvollziehen.

Für diejenigen, die vorher erst einmal ausprobieren möchten, ob ihnen diese Feinarbeit überhaupt liegt, habe ich diese Anleitung zusammengestellt.

Die benötigten Materialien:
– ein sehr fein gewebter Stoff (als Schrägband geschnitten, 7,5 X 2,5 cm)
– eine Form, um den Ring darauf aufzubauen
– Papierstreifen 11mm breit und ca 40 cm lang(ich bevorzuge laminiertes, das macht den Ring anschließend formstabiler, dafür braucht der Streifen dann nicht so lang zu sein)
– Tesaband oder Scotch-Tape
– Papierstreifen in 9-10 mm Breite
– Wattierung (hierfür werden in Japan Seidenfasern verwendet, man kann aber auch statt dessen Tischdeckenvlies verwenden oder Nähgarngarn)
– Lineal
– Stickgarn (in Japan wird Seiden-Knopflochgarn von Fujix oder Kanagawa verwendet, zum Testen reicht Maschinenstickgarn, dass man doppelt legt)
– Nadeln, die zum Garn passen, je feiner, desto besser

Zuerst die Form:
da kann man rumprobieren, was zum eigenen Finger passt. Oft werden Lippenpflegestifte verwendet. Sollte das nicht passen, kann man sich etwas passendes selbst drehen (gelobt sei das Laminiergerät!).


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Den Stoff an einer schmalen Seite nach links umschlagen und die Falte mit dem Fingernagel ausstreifen.

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Dann den Stoffstreifen mit der rechten Seite zur Form um diese gelegt. Die Falz liegt dabei unten.
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Den überstehenden Stoff auf etwa 1 cm zurückschneiden und dann mit einem kleinem Streifen Klebeband fixieren.


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Den laminierten Papierstreifen mittig darum wickeln und ebenfalls mit Klebeband fixieren
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Den Stoff mit einer Nadel oder einem Zahnstocher um den Papierstreifen schlagen
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Mit Hexenstich zunähen; da, wo sich die Stoffenden überlappen die untere Stofflage eventuell zurück schneiden, um eine Wulst an der Naht zu vermeiden.
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mit einem Papierstreifen den genauen Umfang ermitteln. Der hierfür verwendete Streifen sollte an jeder Seite einen Millimeter Platz zum Rand lassen. Es sollte auch ein halber Centimeter Papier übrig bleiben, um ihn später besser auf dem Ring fixieren zu können. Millimeterpapier ist nicht zwingend nötig, hilft aber am Anfang bei der genauen Einteilung
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Für das hier gezeigte Muster den Streifen so markieren, dass sieben gleiche Teile entstehen. Dann den Streifen um den Ring legen und mit Klebeband schließen.
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Den Papierstreifen mit einem oder zwei Stichen auf dem Ring fixieren, sodass er nicht mehr verrutschen kann. Dann mit der Wattierung umwickeln und auch diese schließen. Es ist gerade am Anfang etwas einfacher, wenn man die Markierung mit feinem Garn über der Wattierung wiederholt. Dabei ist es wichtig, PRÄZISE zu arbeiten!

Die Nadel wird am inneren Rand eingestochen, und dann direkt oberhalb des Papierstreifens vertikal unter dem Einstich wieder ausgestochen. Kommt der Faden von links nach rechts, legt man den austretenden Faden von links über den eintretenden. Das Ergebnis sollte dann einem Y gleichen.

Hier geht der Faden von rechts nach links

so sehen die Stick-Anleitungen üblicherweise aus:

etwas verwirrend? Nein, halb so wild, es baut sich wie folgt auf:

Dieses Muster arbeitet mit 4 Fäden in zwei Farben (bei mir 1 und 2 in grün, 3 und 4 in orange), wobei Faden 1 und 3 von rechts nach links und Faden 2 und 4 von links nach rechts gestickt werden.

In der Startreihe wird immer jeweils links der Markierung gestochen
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Da die Markierung ein 7er ist, kommt man nach der ersten Runde nicht am Startpunkt an, sondern an der gegenüberliegenden Seite.

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Erst nach einer zweiten Runde kommt man zurück an den Ausgangspunkt. Diese Nadel ruht nun fürs erste.
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Die zweite Reihe startet von der gleichen Markierung aus und mit der gleichen Garnfarbe. Hier wird immer direkt rechts der Markierung gestochen. Die Stickrichtung ist nun von links nach rechts. Auch hier ruht die Nadel, sobald man den Ausgangspunkt wieder erreicht.

So sieht nun die Anleitung aus.

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Um nun die zweite Farbe ins Spiel zu bringen, markiert man die Mitte zwischen den ersten Markierungen, zum Beispiel indem man eine Nadel dort einsticht. Beim Sticken hält man sich in Reihe 3 nun wieder links der neuen Markierung und stickt von rechts nach links.

Reihe 4 wechselt wieder die Richtung

Nach der vierten Reihe geht man zurück zur ersten Nadel.
Je nach Stärke des verwendeten Garnes macht man dies 4 bis 5 mal.
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SO sieht dann das Ergebnis aus.

Wie man sieht, ist das Muster bei diesem Garn…..sagen wir mal: suboptimal. Mit der richtigen Sorte Garn (ich selbst habe Fujix) sieht es um einiges besser aus

wirklich zufrieden bin ich mit dem Ergebnis noch nicht, aber mit mehr Übung bekomm ich das wohl noch hin…