Washi Ningyou – Anleitung (Frau)

Der Grundschnitt für die weibliche Washi Ningyou ist sehr simpel.

Grundschnitt Frau

Soll es ein Mann im langen Kimono werden, braucht man lediglich die runden Ärmelkanten zu begradigen.

Material:

Butterbrotpapier
Krepp-Washi (z.B bei Miyabi.de erhältlich, oder auch beim Viereck-Verlag)
Wattekugeln 2 cm Durchmesser
Schere,
Prittstift (ja, Uhu geht auch^^)
Basteldraht
Saitenschneider und / oder Zange
(TG-Schlauchverband ist hilfreich, aber es geht auch ohne)
Watte

Der Schnitt wird auf das Butterbrotpapier übertragen. Ich habe mir den Grundschnitt einlaminiert, so kommt nichts dran. Das Butterbrotpapier ist dünn genug zum durchpausen. Die Linien müssen dabei nicht mit dem Lineal nachgezogen werden, das wird später beim schneiden von selbst begradigt.


Die Teile ausschneiden und die Rückseite mit dem Klebestift “behandeln”, dann auf das ausgesuchte Washi aufkleben.
Diese Extraschicht gibt sowohl mehr Stabilität (wie Vlieseline hinter Stoff), als auch einen besseren Klebegrund.

Generell werden sowohl ein Obi, als auch die Ärmel des Unterkimonos benötigt. Einen Schulterriemen braucht die Figur nur, wenn sie “arbeitet”

die geraden Linien werden eingeschnitten, an der Innenlinie wird das Papier zurückgefaltet

Die Innenärmel mit Prittstift so in die Ärmelöffnungen kleben, dass sie schräg liegen, am Besten geht das, wenn man vorher die Ärmelnähte schliesst (ohne verkleben).

Sind die Innenärmel getrocknet, kann der Draht eingesetzt werden. Am Besten biegt man eine Seite um und schaut dann, wie weit die Hände aus dem Ärmel ragen sollen, schneidet dann so, dass noch Draht zum Umbiegen für die 2.Hand bleibt. Beide Enden werden mit weißem Papier (Butterbrotpapier mit Pritt reicht dazu aus) umwickelt. Dann diesen Draht im Kimono mit zwei Streifen Papier an den Schultern fixieren (Sorry, vergessen Photo zu machen).

Jetzt können die Ärmel verklebt werden.

Der Oberkörper des Kimono ist an den Seiten offen. Um ihn zu schließen, klebe ich Streifen Butterbrotpapier innen ein, mit denen die Seiten von innen geschlossen werden (ich weiß nicht, ob das so traditionell gemacht wird, ich finde es praktisch)

Jetzt kann der Rockteil des Kimono angepasst werden: zusammenrollen, in das Oberteil einführen und solange auseinanderdrücken, bis die Weite stimmt. So festhalten und wieder rausziehen. Leicht öffnen und mit Pritt fixieren (nicht direkt an der Kante sondern etwas weiter innen, trocknen lassen. Mit Watte ausstopfen.

Die obere Kante mit Kleber einschmieren und in die Öffnung des Kimono einführen. Das Obiband einmal um den Bauch wickeln, den Überstand abschneiden. Dann das Band in der Mitte falten und verkleben und so um den Bauch kleben, dass die charakteristische Falte (Ohashori) unterhalb zu sehen ist. Den Überstand dreimal falten, verkleben und  hinten auf die Naht setzen.

Ob mit oder ohne Schulterband: jetzt ist erst mal der Kopf dran. Ein Stück Draht mit Papier solange umwickeln, dass man den Draht mühelos im Loch der Wattekugel fixieren kann (die Löcher sind immer recht weit). Ein Loch für den Draht in den Kimono bohren und den Draht bei Bedarf zurechtkürzen. Das Ende mit Kleber versehen und einführen.

Für den Schulterriemen (tasuki, danke Haruko) faltet man das Band zunächst in der Mitte und verklebt das Papier.

Man fängt  in der Mitte des linken Ärmels an, führt das Band hinter dem Nacken entlang unter dem rechten Ärmel nach vorne,

wieder hinter den Nacken nach unten, am linken Ärmel zum Startpunkt zurück. Verkleben und trocknen lassen.

Auf die Klebenaht ein Schleifchen setzen

Für das Koptuch hab ich normales Origamipapier verwendet.

Dieses dem Kopfumfang entsprechend zurecht schneiden. Haarkrepp (schwarz üblicherweise, hier für eine alte Dame grau) einkleben,

um den Kopf kleben und den hinteren Teil des Tuches eventuell (wenn er hochstehen sollte wie hier oder zu locker ist) am Hinterkopf festkleben.

Sollte der Kopf zu sehr wackeln, diesen ebenfalls mit einem Tropfen Klebstoff am Kimono fixieren

Fertig ist die Ningyou

Tipp: statt Krepp-Washi geht auch Maulbeerpapier, dies ist allerdings stärker strukturiert. Außerdem gibt es hier nicht die typischen Drucke.

Tipp 2: Wer eine so detailreiche Ningyou wie Kim-oh-no arbeiten möchte, findet auf ihrem Blog Kimono und co schöne Anregungen, wie ein Kimono “in echt” auszusehen hat

Bilder von Euch:

Kim-oh-nos erste (ernsthaft?) Anesama Ningyou

Man beachte die zahlreichen Details!!! Frisur, Obijime, juban, und der Obi- Knoten erst!

Chloé Patricia machte mich darauf aufmerksam, dass meine Anleitung nicht für eine Anesama ist, sondern für eine normale Washi Ningyou. Kim-oh-nos Puppe dagegen ist tatsächlich eine Anesama (erwachsene Puppe im Hochzeits- oder Alltagskimono mit Hochfrisur)

10 thoughts on “Washi Ningyou – Anleitung (Frau)

  1. Pingback: washi-and-silk » Blog Archive » Anesama Ningyo

  2. Sieht klasse aus deine Ningyo, auch die Farben passen sehr gut zusammen.
    Eine kleine “Schönheitskorrektur” hätte ich allerdings: die Ärmel sind etwas zu lang. Der Schulterriemen, wie du ihn nennst (tasuki), dient in Japan den Frauen zum Hochbinden der Kimonoärmel bei der Arbeit – also entweder ohne Band oder kürzere Ärmel.

  3. *sniff* ich weiß, ist aber leider etwas schwierig mit papier zu bewerkstelligen, ohne alles zu verhunzen. So etwas wäre mit stoff besser darzustellen.
    An der Männerfigur tüftele ich noch. der Originalschnitt fällt so aus, dass der Mann glatt doppelt so groß wird wie die Frau (zumindest, wenn er Beine bekommt statt Kimono). Mein erster versuch hatte zum schluss auch noch quadratlatschen! naja, erste Versuche gehen bei mir eh meist in die hose.

  4. Hahh, habe ich da was von Kimono gelesen?! Das Püppchen ist ja sehr schön, da schaut sogar der Juban in Kontrastfarbe raus. Da bekomme ich gleich Lust auch eine Ningyo zu bauen. Ich hab noch viel verschiedenes Origamipapier für Kimono und Obi. Das wäre dann ein Mini-Kitsuke.

  5. Liebe Kikuyu, alle diese Püppchen sind (nach ihrem Material) Washi-Ningyo. Die ganz einfachen sind sogar nur zweidimensional und werden shiori ningyo genannt So viel ich weiß ist Anesama-ningyo eine Bezeichnung für alle dreidimensionalen Washi-ningyo…
    Und ich finde, sie sind alle sehr schön, denn man spürt die Liebe, mit der sie gefertigt wurden.

  6. So hatte ich es zuerst auch verstanden. Chloé Patricia aus Japan aber klärte mich auf, dass anesama nur Figuren sind, die erwachsene Damen mit richtiger Frisur darstellen.

  7. Wow, ich finde sowas immer wunderschön anzusehen! Du zauberst wirklich immer die tollsten Sachen! Habe deswegen deinen Blog endlich auch bei mir verlinkt (wollte ich schon viel früher machen) 🙂

  8. mir fehlt leider derzeit die Ruhe und Zeit, um häufiger zu posten. ich hab noch sooooviele schöne Dinge im Kopf, die vorgestellt werden wollen

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