3. März : Hina Matsuri

Hina Matsuri (Puppenfest, Mädchenfest, Fest der Pfirsichblüte)

Zierliche, kunstvoll gefertigte und im Heian-Stil gekleidete Puppen (Hina-Ningyou), die das Kaiserpaar und seinen Hofstaat darstellen, werden für etwa 1 Woche vor dem 3. März auf einem mehrstufigen, mit rotem Stoff verkleideten Podest (Hina-Dan, Hi-Mousen) im besten Zimmer des Hauses aufgestellt. Auch wird das Haus mit Pfirsichblüten geschmückt. Die Familien wünschen den unverheirateten Mädchen auf diese Weise einen glücklichen Lebensverlauf.

Jede traditionell orientierte japanische Familie mit einer Tochter hat einen Satz Puppen.
Eine Legende über das Hina-Matsuri besagt, dass das Mädchen einer Familie, das vergisst, alle Puppen vor der Nacht zum 4. März wegzuräumen, in diesem Jahr nicht heiraten wird.

Ursprung

Das Puppenfestival hat seine Ursprünge in einem chinesischen Brauch, nach dem das unglückliche Schicksal eines Mädchens auf eine Puppe übertragen wird und diese Puppe auf einem Fluss ausgesetzt wird.
Während der Edo-Zeit kam dieser Brauch auch in Japan auf. Beim Hinanagashi (Puppen treiben lassen) ließ man Papierpuppen in einem Boot einen Fluss hinunter ins Meer treiben, die die bösen Geister mitnehmen sollten.


(Bildquelle: Wikipedia)

Bräuche

Das für Hina-Matsuri übliche Getränk ist Amazake, eine süße, alkoholfreie Sake-Vorstufe aus fermentiertem Vollkornreis. Gegessen werden traditionell gefärbte Arare, bissengroße Kekse, die mit Sojasoße gewürzt werden, sowie hishi-mochi, chirashizushi und Ushiojiru,eine klare Venusmuschelsuppe.

Ordnung der Puppen


(Bildquelle: Wikipedia)

7-reihiges Hina-Puppenset

Ein vollständiger Puppensatz umfasst 15 Puppen: den Kaiser und die Kaiserin, 3 Hofdamen, 5 Hofmusikanten, 2 Minister und 3 Kammerherren. Neben und zwischen den Puppen finden sich u.a. noch Miniaturgegenstände wie ein mit Goldpapier bespannter Wandschirm (hinter dem Kaiserpaar), Papierlaternchen, Tabletts mit Reiskuchen, Holzgefäße mit Süßigkeiten und Pfirsichblütenzweige (echt oder unecht).

O-Dairi-sama und O-Hina-sama
Die Kaiserpuppe heißt O-Dairi-sama und die Kaiserin O-Hina-sama (Dairi bedeutet „Kaiserlicher Palast“, Hina bedeutet “Puppe”). Oft werden diese zwei Puppen auch in Miniaturhäuser gestellt.

Sannin Kanjo
Auf der zweitobersten Ebene stehen gewöhnlich drei Puppen (sannin kanjo). Es sind Hofdamen, die dem Kaiser und der Kaiserin dienen, z. B. hält eine der Damen einen Sake-Behälter in ihren Händen.

Gonin Bayashi
Auf der dritten Stufe befinden sich fünf Musiker mit Musikinstrumenten (gonin bayashi).

Udajin und Sadaijin
Zwei Minister (daijin) werden auf der vierten Plattform aufgestellt. Der Minister zur Rechten (Udaijin)und der Minister zur Linken (Sadaijin). Der Minister zur Rechten wird meist als jüngerer Mann dargestellt, während der Minister zur Linken um einiges älter ist. Entsprechend ihrer Funktion werden sie auf der rechten und der linken Seite (aus Sicht der Puppen) der vierten Plattform platziert. Beide werden oft mit Pfeil und Bogen dargestellt. Zwischen den beiden Figuren stehen Tischchen mit abgedeckten Schalen (kakebanzen oder auch o-zen), sowie rautenförmige Hishi Mochi auf speziellen rautenförmigen Ständerchen, den Hishidai. Manchmal haben diese Hishidai katzenartige Beine, dann heißen sie nekoashigata hishidai.

Fünfte Plattform
Unterhalb der Minister, leicht versetzt zu diesen, stehen rechts ein Mandarinenbäumchen und links ein Kirschbäumchen. Dazwischen sitzen drei Samurai als Beschützer des Kaiserpaares. Von links nach rechts (vom Betrachter gesehen):
– Nakijougo (der weinerliche Trinker)
– Okorijougo (der streitsüchtige Trinker)
– Waraijougo (der fröhliche Trinker)

Sechste Plattform
Dies sind Gegenstände,die in einem Palast verwendet werden.
• Tansu: Kommode mit üblicherweise 5 Schubladen, manchmal mit Türverblende
• nagamochi : Hoher Schrank für Kimonos
• hasamibako: kleinerer Kleiderschrank, der auf dem Nagamochi steht
• kyōdai: eine kleine Spiegelkommode
• haribako: ein Nähkästchen
• zwei hibachi: Kohlebecken
• daisu: ein Set Tee-Utensilien

Siebte Plattform
Hier stehen Gegenstände, die bei Anlässen außerhalb des Palastes verwendet werden.
• jubako Lackschachteln, die mit einer Kordel vertical zusammengschnürt werden
oder in einer dazugehörenden Halterung stehen.
• gokago eine Sänfte
• goshoguruma eine von Ochsen gezogene Kutsche, die von der Aristokratie der
Heian bevorzugt wurde (gisha or gyuusha)

Wertvolle Hina-Ningyou werden von Generation zu Generation weitergegeben. Die Anschaffung solcher Puppen mitsamt Zubehör kann sehr teuer werden, zumal manche hina-dan eine stattliche Größe erreichen. Aber glücklicherweise gibt es heutzutage zahlreiche Variationen für den kleineren Geldbeutel, vom winzigen Papierkästchen mit einem herausziehbaren 3-Stufen hina-dan über Plastiknachbildungen bis hin zur Origami-Version.

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